Handlettering „Der Tag ist Dein Freund oder Dein Lehrer“ Schriftzüge von Sprüchen, Zitaten, Wortspielen und Ambigrammen.

Liebe Leute,

stellen Sie sich vor, wie Sie morgens, vor Energie nur so strotzend, aus dem Bett springen und es kaum erwarten können, Ihre heutige Aufgabe in Angriff zu nehmen. Eine Aufgabe, die genau im richtigen Maße herausfordernd ist, der Sie sich ab-so-lut gewachsen fühlen, die Sie an den metaphorischen Hörnern packen wollen. Wenn es klappt, wird der Tag fraglos Ihr Freund.
Doch es könnte auch so ablaufen:
Sie zerdeppern die volle Kaffeekanne mit maximaler Streuwirkung; das Internet fällt aus; Sie müssen alle zehn Minuten auf die Türklingel reagieren, nur um Pakete für Nachbarn entgegenzunehmen, die am anderen Ende des Kontinents wohnen; Marketing-Umfrage-Anrufe unterbrechen Ihre Konzentration an den Stellen, wo eine Lösung zum Greifen nahe ist; Ihre Großtante stirbt und hinterlässt einen Berg Schulden und 35 Okapis, denen Sie für den Rest Ihres Lebens die Hufe bürsten müssten. Die verpilzten.

Ähem, und wie soll das eine Lehre sein? Na, so:
Die zerdepperte Kaffeekanne lehrt im besten Fall, ein Missgeschick nicht schwerer zu nehmen als nötig, sondern es schnell abzuhaken.
Das ausgefallene Internet kann man natürlich bis zum Stimmverlust beschimpfen; oder man erkenne an, dass man keinen Einfluss darauf hat. Dann widme man sich stattdessen der nächstwichtigeren Aufgabe, die es offline zu beackern gibt.
Was klingelnde Telefone und klingelnde Klingeln betrifft: Wenn man für eine Aufgabe mehrere Stunden richtiger Konzentration bedarf, gilt konstruktive Ignoranz als Akt der Notwehr. Jedesmal, wenn man aus tiefer Konzentration herausgerissen wird, braucht man locker 15 – 20 Minuten, um den Fokus wiederherzustellen. Wie ineffizient. Wie nervig und unnötig anstrengend.
Und Ihre Großtante war eh ‘ne olle Zippe, wenn sie Ihnen nur Schulden und Okapis hinterlässt. Verpilzte Okapis.

Übrigens wird der Tag nicht irgendwie rückwirkend noch voll toll, weil man Lehren daraus zieht. Er wird nur weniger Scheiße, weil man in Zukunft was davon hat.