Handlettering „Um Kritik zu vermeiden: Sag/tu/sei nichts!“ Schriftzüge von Sprüchen, Zitaten, Wortspielen und Ambigrammen.

Liebe Leute,

kennen Sie diese Geschichte?
Ein alter Herr setzt seine Enkelin auf seinen Esel, um mit ihr irgendwohin zu gehen. Ich weiß nicht mehr, wohin, aber das ist auch nicht wichtig für die Geschichte. Okay, sagen wir, er muss zum Baumarkt, Sechser- und Achter-Dübel holen.
Der Erste, der ihnen über den Weg läuft, pöbelt direkt: „Na toll, das verwöhnte Prinzesschen sitzt hoch zu Ross, während der arme, alte Mann zu Fuß latschen darf! So was hätte es damals nicht gegeben! Da hatte man noch Respekt vor dem Alter!“
Opa und Enkelin zucken die Schultern und tauschen: Die Enkelin spaziert, der Opa reitet.
Der nächste, der ihnen begegnet, meckert: „Das arme Kind! Muss zu Fuß gehen, während der feine Herr Großvater es sich gemütlich macht! Bestimmt muss das arme Kind auch noch in der Säuremine schuften! Typisch kinderfeindliches Deutschland! Sie sind schlimmer als Hitler!“
Okay, in der echten Geschichte hat der das mit der Säuremine und dem Hitler so nicht gesagt, aber ich wollte durch diese dramatische Übertreibung den grotesken gesellschaftlichen Druck verdeutlichen, der … na, Sie verstehen, was ich meine.
Opa und Enkelin zucken die Schultern. Opa steigt ab und beide spazieren zu Fuß.
Der nächste, der ihnen begegnet, spottet: „Da ham sie schon einen Esel, und dann latschen sie zu Fuß? So brunzdoof muss man erstmal sein! Ihr jämmerlichen Gutmenschen!“
Opa und Enkelin zucken die Schultern, steigen auf des Esels Rücken und reiten beide.
Klar werden sie dann vom nächsten dafür zur Sau gemacht, dass das arme, arme Eselchen zu Schanden geritten werden kann, wenn’s den Hochwohlgeborenen nur wohl genug sei.
Opa und Enkelin zucken die Schultern, steigen von des Esels Rücken ab, und weil das die letzte Variante ist, die wir noch übrig haben, trägt der Opa jetzt den Esel. Dass der nächste, der ihnen begegntet, den Opa jetzt genau deswegen verspottet, haben Sie sich schon gedacht, richtig? So war’s nämlich auch.
Da sagt der Opa: „Jetzt hab ich die Schnauze aber voll von euch Hirnzwergen! Fass, Eselchen!“ Und er hetzt das Eselchen auf den Typen, damit es ihm den Kopf abbeißt.

Den gewalttätigen Schluss habe ich dazu erfunden, damit es nicht ganz so frustrierend endet. Denn ja, wenn Sie versuchen, es jedem recht zu machen, machen Sie es niemandem recht, und am wenigsten Ihnen selbst, was in den meisten Fällen aber das Wichtigste ist. Denn niemand von den obigen Hirnzwergen hätte eine praktikable Lösung, die von niemandem bekritteln würde, damit der Opa zum Baumarkt kommt und seine Dübel bekommt.